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Rechtsglossar

Stichwortverzeichnis

Sittenwidrigkeit

Was bedeutet Sittenwidrigkeit?

Sittenwidrigkeit ist ein wichtiger Begriff im deutschen Rechtssystem und bezieht sich auf die Unvereinbarkeit eines Rechtsgeschäfts mit den allgemeinen Wertvorstellungen und guten Sitten der Gesellschaft.

Die Sittenwidrigkeit ist ein Grundsatz, der u.a. in § 138 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) verankert ist. Dieser Paragraf besagt, dass ein Rechtsgeschäft nichtig ist, wenn es gegen die guten Sitten verstößt. Ein solcher Verstoß kann sowohl gegen gesetzliche Normen als auch gegen moralische Prinzipien verstoßen.

Um zu verstehen, ob ein bestimmtes Rechtsgeschäft sittenwidrig ist, müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden. Ein zentraler Aspekt ist die stark einseitige Benachteiligung einer Partei, die durch Ausnutzung ihrer Zwangslage oder Unerfahrenheit entsteht. Weiterhin kann auch die Art des Geschäfts oder der Zweck dahinter entscheidend sein. Beispielsweise kann ein Vertrag zur Begehung einer illegalen Handlung als sittenwidrig eingestuft werden.

Ein weiteres wichtiges Element ist die gesellschaftliche Moral. Was als sittenwidrig angesehen wird, kann sich im Laufe der Zeit ändern und hängt oft von soziokulturellen Normen und Werten ab. Die Rechtsprechung spielt daher eine bedeutende Rolle bei der Beurteilung von Sittenwidrigkeit, da sie aktuelle gesellschaftliche Standards berücksichtigen muss.

Was gilt als sittenwidriges Verhalten?

Der Begriff der Sittenwidrigkeit bezieht sich auf Handlungen, die gegen das allgemeine Anstands- und Wertesystem der Gesellschaft verstoßen. Es handelt sich um Verhaltensweisen, die als unmoralisch oder unethisch betrachtet werden. Der Begriff der Sittenwidrigkeit ist nicht gesetzlich definiert, sondern basiert auf einem allgemeinen Wertungssystem.

Ein Beispiel für sittenwidriges Verhalten ist der Wucher. Beim Wucher handelt es sich um einen extrem überhöhten Zinssatz, der in einem auffälligen Missverhältnis zur Leistung steht. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn jemand einem anderen eine finanzielle Notlage ausnutzt und ihm einen unverhältnismäßig hohen Kreditzins aufdrückt. Das Gesetz schützt Menschen vor solchen sittenwidrigen Geschäften.

Ein weiteres Beispiel für sittenwidriges Verhalten ist die vorsätzliche Täuschung. Wenn jemand bewusst falsche Informationen gibt, um einen anderen zu benachteiligen oder zu schaden, handelt es sich um sittenwidriges Verhalten. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn jemand bei einem Kaufvertrag absichtlich verschweigt, dass das gekaufte Produkt einen erheblichen Mangel hat.

Auch sittenwidrige Vertragsklauseln oder Vereinbarungen können als sittenwidriges Verhalten betrachtet werden. Wenn eine Klausel in einem Vertrag so unfair oder unangemessen ist, dass sie gegen das Anstandsgefühl der Gesellschaft verstößt, kann sie als sittenwidrig eingestuft werden. Ein Beispiel dafür wäre eine Klausel in einem Mietvertrag, die dem Vermieter das Recht gibt, die Miete jederzeit nach Belieben zu erhöhen, ohne dass der Mieter dagegen vorgehen kann.

Ein weiteres Beispiel für sittenwidriges Verhalten ist die sexuelle Belästigung. Wenn jemand unerwünschte sexuelle Handlungen oder Kommentare macht, die das Opfer in seiner Würde verletzen oder ihm Angst machen, handelt es sich um sittenwidriges Verhalten. Das Gesetz schützt Menschen vor sexueller Belästigung und sieht empfindliche Strafen für Täter vor.

Die Einschätzung, ob ein Verhalten sittenwidrig ist oder nicht, hängt jedoch vom Einzelfall ab muss daher individuell getroffen werden. Eine allgemeingültige Definition oder Liste mit Verhaltensweisen, die als sittenwidrig gelten, gibt es nicht. Das Konzept der Sittenwidrigkeit dient jedoch dazu, Menschen vor unmoralischen und unethischen Handlungen zu schützen und das gesellschaftliche Wertesystem zu wahren.

Wichtige Begriffe:

  • Zwangslage: Eine Situation, in der eine Person keine andere Wahl hat als aufgrund äußerer Umstände ein bestimmtes Rechtsgeschäft einzugehen, was zu ihrer deutlichen Benachteiligung führt.
  • Unwirksamkeit: Sollte ein Geschäft als sittenwidrig eingestuft werden, wird es für nichtig erklärt und hat keinerlei Rechtskraft.
  • Moral: Die soziale und kulturelle Bewertung von Verhalten, die sich im Laufe der Zeit ändern kann und bei der Beurteilung von Sittenwidrigkeit eine Rolle spielt.

Im deutschen Rechtssystem dient die Sittenwidrigkeit als Schutzmechanismus für die Schwächeren in einer rechtlichen Beziehung und trägt dazu bei, gerechte und ethisch einwandfreie Rechtsgeschäfte zu gewährleisten.

 

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